Ich bin mir sicher, dass du von den Ronald McDonald Spendenhäusern gehört hast. Sie sorgen dafür das Waisenkinder Unterschlupf finden.. großzügig, oder?
Na ja, es gibt da noch ne andere Seite dieser Wohltätigkeit. Es gibt noch eine andere Art von Ronald McDonald Haus, eines von dem nur wenige Leute wissen.
Es gibt diese in größeren Städten. Du wirst es nicht finden, wenn du nur danach suchst. Es hat keine Adresse. Es hat kein Schild über oder an der Tür. Es hat nicht einmal Fenster.
Nein, der einzige Weg es zu finden, ist adoptiert zu werden...
So hab ich es gefunden.
Seit ich ein Kind war lebte ich in verschiedenen Pflegefamilien und Waisenhäusern in Los Angeles. Jetzt bin ich 17 und das was sie als “böses Kind” bezeichneten.
Immer Ärger verursachen, überall rausgeworfen werden und immer zusammengebracht mit den “Guten” die dachten, sie könnten mir helfen. Ich hab ihnen immer bewiesen, dass sie falsch liegen.
Meine neueste Betreuerin saß mir gegenüber an einem schwarzen Metalltisch, sie sah erschöpft und übermüdet aus. Zwischen uns auf dem Tisch lag ein dicker, briefgroßer, brauner Umschlag; meine Akte.
“So, dein Ruf eilt dir voraus.”, sagte sie. “Jetzt hast du nur noch zwei Optionen; ein Militärcamp in Lansing oder das Ronald McDonald House, das dich für “annehmbar” erklärt hat.”
Ich hab nicht die Geduld für irgendwelche Drillsergeants und vor allem werde ich mich nicht morgens um 5 wecken lassen. Wie schlimm kann eine Zwischenstation die nach dem Clown einer Fast-Food-Kette benannt ist schon sein? Ich entschied mich für das Ronald McDonald House.
Dunkle Wolken türmten sich am Himmel, während ich hinten in das Auto meiner Betreuerin kletterte. Meine wenigen Besitztümer und Klamotten waren in meinem Rucksack auf meinem Rücken; das war alles was ich mitnehmen konnte. Eines meiner Besitztümer war ein Fotoalbum, in dem all die Fotos von meinen Pflegefamilien waren. Es war schön sich an sie zu erinnern, auch wenn ich es jedes Mal verkackt hatte.
“Ich hatte schon ein paar Fälle, die ins Ronald McDonald House gegangen sind”, sagte die Betreuerin, die vor mir am Lenkrad saß. “Für die Kinder ist alles glatt gelaufen, ich musste sie nie mehr irgendwo anders hinfahren. Zudem hat das Haus ihre Akten und alles genommen.”
Wir fuhren durch die Innenstadt Austins, ließen alles was ich kannte hinter uns. Ich wurde aus einer Pflegefamilie raus geschmissen, weil ich mit ein paar Nachbarkindern in der Innenstadt in eine Kneipe eingebrochen bin. Gute, alte Zeiten.
“So, hier sind wir” Das Auto hielt an.
Gespannt sah ich aus dem Fenster. Wir standen vor einem großen, grauen, fensterlosen Gebäude, das zwischen zwei anderen Industriebauten in einer enger Straße stand. Ich bemerkte, das an den anderen zwei Häusern Adressen waren, aber nicht an diesem besonderem Haus. Da war nicht mal ein Schild dran.
“Bist du sicher?”, fragte ich. Zögernd öffnete ich die Autotür und klettere aus dem Auto. Den Rucksack schmiss ich über meine Schulter, klammerte mich in den Riemen fest und folgte meiner Betreuerin zu den fensterlosen Metalltüren. Sie drückte die Klingel und sprach mit irgendwem im inneren. Die Türen klickten als sie geöffnet wurden. Wir gingen rein.
Sobald sich die Türen hinter uns geschlossen hatten, bemerkte ich die Stille, diese Stille in der man eine Stecknadel hätte fallen hören können. Es war die Sorte Stille, die so erdrückend und leer ist, dass sie dich fast taub macht.
Am Ende der dim-beleuchteten Lobby war ein Glasfenster mit jemandem auf der anderen Seite. Eine Sekretärin. Sie war zur Seite gewandt und tippte konzentriert irgendwas an einem Computer. Wir gingen zu dem Fenster. Die Betreuerin klingelte an dem Schalter und die Sekretärin drehte sich auf ihrem Stuhl zu uns.
Ihr Gesicht war geschminkt wie das eines Clowns.
Wie das von Ronald McDonald, um genau zu sein.
Sie hatte sogar das kurze, gelockte, rote Haar. Andererseits trug sie die normale weiße Bekleidung, die auch normale Krankenschwestern tragen.
Ich wollte darüber lachen, da es mir extrem bizarr erschien, aber ich konnte nicht. Mir lief ein Schauer den Rücken runter. Irgendwas stimmte nicht. Die Betreuerin und die Krankenschwester interagierten; sie gaben sich den Papierkram unter dem Fenster durch. Die Betreuerin schob meine Akte unter dem Fenster durch, die Krankenschwester schob einige andere Papiere zurück.
Als sich meine Betreuerin um die Papiere kümmerte, musterte ich die Krankenschwester. Ihr Lächeln hätte nett und begrüßend sein müssen ... Aber ich sah nur Hunger in ihren Augen.
“Ich kann nicht hier bleiben!”, stammelte ich laut. “Bring mich zu der Militärschule in Lansing. BITTE!”
“Was ist das Problem, Süßer?”, fragte die Krankenschwester, ihre Stimme wurde durch das Glas gedämmt. “Angst vor Clowns?”
Mein Blick traf ihren hungrigen Blick. Als sie lachte, glitzerte etwas Boshaftes in ihren Augen auf. Meine Betreuerin lachte auch und sagte: “Jetzt reagier nicht über! Du würdest die Militärschule hassen. Außerdem wird dir das hier gut tun!”
“Ja”, sagte die Clownkrankenschwester. “Das wird dir gut tun.”
Bevor ich protestieren konnte, hörte ich eine Tür hinter mir.
Ich drehte mich um und sah eine offene Tür am anderen Ende der Lobby, zur linken des Fensters. Allerdings war dort niemand, nur das Licht, dass durch die offene Tür schien und auf die gegenüberliegende Wand und den Boden fiel.
Dann die gruseligen Schatten. Schrilles, hallendes Gelächter und wachsende Schatten an der gegenüberliegenden Wand.
“Oh!”, sagte die Betreuerin. “Hier kommt das Empfangskomitee!”
Als ich im Entsetzten starrte, den Riemen meines Rucksacks festhaltend, klopfte mir meine Betreuerin ein letztes Mal auf die Schulter. “Mach dir keine Sorgen, Schätzchen. Dieses Mal wird es anders. Du wirst dich gleich wie zu Hause fühlen, versprochen!”
Sie wandte sich zum gehen. Ich konnte spüren, wie die Galle in meinen Magen hochkroch.
“Nein!”, sagte ich verzweifelt. “Du kannst mich nicht hier lassen!”
“Ach nein. Ich mochte Clowns nie!”
Und damit verlies sie mich. Die Metalltüren fielen hinter ihr ins Schloss und ich war allein.
Ängstlich sah ich zu den geöffneten Türen. Die Schatten hatten fast schon den Raum betreten und das durchdringende Lachen füllte die Lobby.
Schnell rannte ich zu den Eingangstüren. Hämmernd und zerrend und drückend und schreiend. Ich schrie um Hilfe, schrie nach meiner Betreuerin, schrie nach IRGENDWEM ! BITTE GOTT !
Die Krankenschwester hinter dem Fenster lächelte schon wieder, als ich mich umdrehte.
Und dann betraten sie die Lobby, die ganze Zeit lachend.
Eine ganze Gruppe lachender Betreuer mit Clownsgesichtern und roten Haaren. Manche männlich, manche weiblich, aber alle mit diesem schrecklichen Ronald-McDonald-Make-up. Im gedimmten Licht der Lobby konnte ich das Glitzern irgendwelcher metallenen Gegenstände in ihren Händen sehen. Den Flur heraufkommend schoben ein paar Clownbetreuer einen Metalltisch, einen mit Leberriemen dran.
“Geht weg von mir!”, schrie ich und hämmerte wieder an den Türen. “Lasst mich hier raus!!”
Sie umringten mich. Packten mich, als ich um mich schlug, schrie und versuchte mich loszureißen. Lachten, als ich um mich trat und mich wand. Sie drückten mich auf den rollenden Metalltisch und schnallten mich fest.
Verzweifelt sah ich mich um. Zwecklos, ich war umzingelt.. sie waren überall!
“Lasst mich gehen!”, schrie ich, wand mich und versuchte mich von den Fesseln zu befreien.
Sie schoben mich durch die offenen Türen und einen endlos wirkenden, weißen Flur runter. Sie lachten und lachten und lachten. Sie schwangen ihre glitzernden Skalpell, Rasiermesser und Nadeln nur cm. vor meinem Gesicht, nur um mich zum zucken und schreien zu bringen. Meine Angst und Furcht brachte sie dazu noch härter zu lachen.
Das letzte an das ich mich erinnere, bevor sie mir endgültig etwas injizierten, waren ihre Hände. Behandschuhte Finger stachen in meinen Mund, zerstörten meine Schreie und erzwangen ein unnatürliches Grinsen auf meinem tränen überströmten, verschwitzten Gesicht. Ihr heißer, ranziger Atem streifte mein Gesicht. Und sie flüsterten, mit perversen Stimmen sagten sie diese Wörter “Wir würden es lieben dich lächeln zu sehen!”
Dann, als das wahnsinnige Gelächter begann leiser zu werden und wie ein Aufnahmegerät zu sterben schien, wurde alles schwarz.
Ich öffnete meine Augen und wurde von hellen Lichtern über mir geblendet. Mit den Händen schirmte ich meine angeschlagenen Augen von der fluoreszierenden Glühbirne ab, ich drehte mich auf die Seite und sah mich um.
Eine Zelle. Hohe, weiße Wände, voller Kratzspuren und Flecken. Ein kleiner Abfluss in einer Ecke auf dem Boden; wahrscheinlich meine Toilette. Eine Tür ohne Fenster. Auf dem Boden an der Tür lag mein Rucksack.
Mein Körper schmerzte, bei dem Versuch mich aufzusetzen. In dem Moment, in dem ich aufrecht saß, wurde mein Blick verschwommen. Was die mir wohl für Drogen gegeben hatten?
Ein Zittern fuhr durch meinen kompletten Körper. Mein Blick wich runter. Ich hatte nicht mehr meine eigenen Klamotten an. Es war nicht mehr als ein dreckiger, zerrissener Krankenhauskittel, mit dem grell gelben Ronald-McDonald-Kopf als Muster drauf, den ich jetzt trug. Nichts darunter.
Ich konnte leise, gedämmte Geräusche von irgendwo in dem Gebäude hören. Klang wie Schreie.
Der Versuch zu stehen scheiterte, da ich mein Gleichgewicht nicht halten konnte. Mein Blick wurde besser, mein Körper aber fühlte sich immer noch an wie Gummi. Kraftlos sank ich auf die Knie und krabbelte zu meinem Rucksack.
Bevor ich ihn erreichte, versuchte ich die Tür zu öffnen. Wie erwartet, verschlossen.
Neben meinem Rucksack sank ich zusammen und öffnete ihn.
Alles war drin war, war das Fotoalbum. Sie hatten mein Notizbuch, meine Stifte und mein Handy genommen. Natürlich hatten sie.
Müde öffnete ich das Fotoalbum. Aber anstatt der Fotos die drinnen gewesen sind... Fotos von meinen ehemaligen Pflegefamilien und mir, Fotos auf denen ich versucht hatte glücklich und hoffnungsvoll zu wirken, obwohl ich wusste, dass ich nicht lange bei ihnen bleiben würde... Statt dieser Fotos... Sie sahen aus wie Tatortfotos. Und auf jedem erkannte ich eine meiner Pflegefamilien, brutal ermordet und bedeckt mit ihrem eigenen Blut.
Mein Herz raste und mein Magen meldete sich zurück. Ich begann die Seiten schneller umzublättern. Auf jeder Seite, ein neues Foto, eine neue Familie, ein neues Massaker. Ihre Gesichter und die Zimmer in ihren Häusern erkannte ich sofort. Ich hatte bei diesem Menschen gelebt. Und jetzt waren sie alle tot.
Dann erreichte ich die letzten Seiten. Ein Foto von einem Haus bei Nacht. Dann eines der Fenster des Hauses. Dann in dem Haus, ein dunkler Flur mit Licht, das aus einer Tür kam. Dann, ein Foto meiner Betreuerin, putzte ihre Zähne vor einem Waschbecken. Dann ein Foto wie sie erschrocken in die Kamera sah. Dann ein Foto von ihr, nackt, bedeckt mit ihrem eigenen Blut, lag sie in einer unnatürlichen Pose in ihrer Badewanne.
Ich blätterte zur letzten Seite. Auf der Innenseite des Covers standen diese vier Wörter.
DU
HAST
NIE
EXISTIERT
Wieder konnte ich spüren, wie Galle meine Speiseröhre hochkam. Ich schmiss das Buch auf den Boden und krabbelte zu dem Loch im Boden, wo ich mich übergab.
Sie hatten Recht. Sie haben jeden getötet, der mich gekannt hat, es war, als hätte ich nie existiert.
Mehr gedämmte Schrie in der Ferne. Ich wusste, ich musste fliehen.
Mit dem Krankenhauskittel wischte ich das Erbrochene von meinem Gesicht und krabbelte dann zurück zu meinem Rucksack. Hoffentlich hatten sie mir nicht meine Geheimwaffe genommen. Ich öffnete die vordere Tasche und tastete bis zum Boden, meine Finger strichen über den Stoff. Sicher genug, das sie es nicht genommen hatten. Es war fast unerkennbar, verbunden mit den Nähten der Tasche. Die Nadeln die ich für Schlösser nahm. Ich hab dir gesagt, ich bin ein böses Kind.
Ich lehnte mich gegen die Tür und lauschte. Draußen, Schritte die sich näherten. Allerdings wurden sie in die andere Richtung leiser, genau so schnell wie sie gekommen waren. Ich wusste, ich müsste schnell arbeiten. Mit einer Hand rüttelte ich am Türgriff und mit der anderen öffnete ich das Schloss. Es war überraschend einfach.
Mich an der Türklinge festhaltend stand ich langsam auf. Jetzt konnte ich mein Gleichgewicht halten. Ich öffnete die Tür nur einen Spalt.
Ein Clownbetreuer huschte vorbei. Mein Herz wäre fast stehen geblieben. Aber seine Schritte wurden weder langsamer noch veränderten sie sich und bald verstummten sie; er hatte mich nicht bemerkt.
Langsam streckte ich meinen Kopf aus der Tür. Endlos scheinende, weiße Flure in beide Richtungen. Die Schreie aus der Ferne wurden lauter, es schien als würden sie von überall kommen.
Tief einatmend trat ich in den Flur und schloss die Tür hinter mir. Ich entschied mich rechts lang zu gehen. Überall Türen, die gleichen wie die hinter der ich gesessen hatte, und hinter jeder konnte man Schluchzen und Schreie hören. Für einen Moment blieb ich an einer Tür stehen, hinter der ich das Schluchzen eines Kindes. Ich rüttelte an der Türklinge, um zu sehen ob ich es raus lassen konnte. Verschlossen.
Ich blieb in Bewegung, sah alle paar Sekunden hinter mich, um sicher sein zu können, dass keiner der Clownbetreuer hinter mir war. Dann lief ich an einer weißen Doppeltür vorbei. Für einen Moment blieb ich stehen.
“PLAYPLACE” stand in großen, dünnen Buchstaben auf den breiten Türen. Von hinter den Türen kamen Schreie, die Schreie gleich mehrerer Personen. Und Gelächter. Das wahnsinnige, schrille Gelächter der Clownbetreuer. Ich schauderte. Von den Torturen die hinter diesen Türen durchgezogen wurde, wollte ich gar nicht wissen. Außerdem wusste ich, dass ich mich immer bewegen musste.
Endlich kam ich an eine Tür mit einem Treppensymbol darüber. Danach hatte ich gesucht.
Als ich die Tür öffnete und hinter mich sah, kamen gerade zwei Clownbetreuer aus dem Playplace. Ihre weißen Outfits waren übersät mit Flecken aus Blut. Schnell schloss ich die Tür hinter mir und hoffte, das sie mich nicht bemerkt hatten.
Das Treppenhaus war nur spärlich beleuchtet, mit Zementwänden und einem rostigen Geländer. Ich sah zu der Tür, die ich eben geschlossen hatte. Auf der Tür war eine rote 5; also musste ich auf der 5.Etage sein. Und ich musste ins Erdgeschoss gelangen.
Meine Schritte hallten wider, als ich anfing die Treppen runter zulaufen. Die Schreie waren verstummt; nur ein dumpfes, tiefes, summendes Geräusch, wie Rohre hinter den Wänden. Eine willkommene Pause. Vor allem für meine Nerven.
Endlich kam ich an der Tür mit der Nummer 1 an. Die Stufen jedoch führten weiter nach unten, was hieß das es noch ein paar Etagen weiter unten gab. Aber ich blieb stehen, öffnete die Tür und sah mich im Flur um. Mehr weiße Flure. Keine Clownbetreuer in Sicht. So weit, so gut.
Ich trat in den Flur und ging einige Schritte. Auch auf dieser Etage konnte ich keine Schrie hören. Nur das summende Geräusch der Neonlampen über mir.
Am Ende des Flures war eine weitere Doppeltür. Ein großes, rotes Kreuz - sowie du es vielleicht von Erste-Hilfe-Kästen kennst - war auf die komplette Breite der Türen gemalt. Ich drückte mein Ohr an die Tür. Alles was ich hören konnte, war das rhythmische Pulsieren einer Maschine bei der Arbeit. Und ein piependes Geräusch... Wie man es aus Krankenhauszimmern kennt.
Ich wusste, ich sollte diese Tür nicht öffnen. Ich wusste, das war nicht der Ausgang. Ich wusste, ich sollte weiter suchen.
Aber ich musste rein gucken.
Unwissend drückte ich die kalte Klinke runter, es war nicht abgeschlossen, und sah hinein.
Hinter den Türen verbarg sich ein hallenartiger, weißer Raum. Fluoreszierende Lichter flackerten und summten. Überall hingen Kabel und Leitungen...
Und... In Reihen von der Decke hingen... Kinder. Kinder in der gleichen Kleidung wie ich, sie waren an weißen Holzkreuzen angebracht, welche wiederum an der Decke angebracht waren.
Sie waren ruhig. Ihre Köpfe hingen nach unten, ihre Augen waren entweder geschlossen oder sie starrten ins Nichts. Einige wirkten als würden sie zucken, die meisten waren jedoch still. Ihre Kreuze schwenkten leicht vor und zurück.
Und diese Kabel... Es waren weder Kabel noch Leitungen. Es waren Infektionsschläuche. In den Handgelenken der Kinder steckten die Injektionsnadeln, die mit den Schläuchen verbunden waren, und saugten ihnen das Blut aus dem Körper.
Ich hätte fast wieder erbrochen.
In der Mitte des Raumes, zwischen den Reihen an hängenden Kreuzen, stand das, was die rhythmischen Geräusche verursachte. Ein großer Zylinder aus Stahl der das Blut zu sammeln schien, das durch die Schläuche gepumpt wurde.
Erschrocken öffnete ich den Mund um... Um zu schreien? Um vor Zorn zu schreien?
Alles was ich raus bekam war ein “What the fuck?”
Das war der Moment in dem der Alarm begann. Laut, scharf, wie die Polizeisirenen der Hölle selbst. Sie hatten wohl bemerkt, dass ich verschwunden war.
Schnell schloss ich die Tür und sah mich hektisch im Flur um, um zu checken, ob jemand hier war. Noch kein Zeichen. Ich rannte wieder zum Treppenhaus.
Sobald ich im Treppenhaus stand, schallte Gelächter von oben. Hallend drang es durch das Treppenhaus. Die Clownbetreuer kamen!
So schnell ich konnte stolperte ich die Treppen runter. Es brauchte 3 weitere Etagen, um im Keller anzukommen. Atemlos rannte ich durch einen dunklen, Abwasserkanal-ähnlichen Korridor, alle 9 Meter hingen Glühbirnen an der Decke. Der Geruch von Verwesung und verrottendem Fleisch hing in der Luft und wurde stärker während ich rannte.
Das Gelächter hinter mir brach nicht ab. Hektisch warf ich einen Blick hinter mich. Eine Gruppe an Clownbetreuern rannte mir nach. Ich sah wie sie durch das Licht rannten und dann wieder zu Silhouetten wurden, ihre lächelnden Gesichter und ihre glitzernden Nadeln und Messer pushten mein Adrenalin. Ich rannte an gestapelten, verrottenden Leichen vorbei. Aber ich durfte nicht anhalten. Mein einziger Gedanke galt meiner Flucht.
Rutschend rannte ich um eine Ecke und stand direkt vor den metallenen Sprossen einer Leiter an der Wand. Ich kletterte hoch, bis ich mit dem Kopf an die Decke stieß.
Unter mir wurden die Schatten größer und das Gelächter lauter. Die Schritte verlangsamten sich. Sie waren nah und sie wussten es.
Mit meinen Schultern versuchte ich die Decke über mir aufzudrücken. Ich keuchte und schrie. Die Clowns unter mir lachten und schwenkten ihre Skalpell. Irgendwas schnitt mein Bein. Ein letztes Mal schrie ich und drückte...
Die Decke gab nach und der Deckel knallte auf Asphalt. Eine kreisförmige Öffnung. Unverzüglich kletterte ich raus und drückte den Kanalisationsdeckel zurück in die Öffnung, um das Lachen der Clowns unter mir zum verstummen zu bringen.
Ich lag einige Minuten auf dem Deckel, bis sich meine Atmung beruhigt hatte. Regen tropfte auf meine Haut. Der stürmische Nachthimmel über mir war nur willkommen.
Um mich zu orientieren, sah ich mich um. Verlassene Gebäude, zerbrochenes Glas. Keine Lichter. Keine Autos. Kein Zeichen von Leben an sich.
In der Ferne irgendwelche Polizeisirenen. Ansonsten, Stille.
Langsam stand ich auf. Schmerz durchfuhr mein Bein. Ich sah runter und sah den Schnitt an meiner Wade, den mir einer der Clowns verpasst hatte. Bastard.
Humpelnd versuchte ich zu laufen.
“Hallo?”, rief ich. Die einzige Antwort die ich bekam, war ein Donnern in der Nähe. “Irgendjemand ! HILFE, BITTE !”
Mein Fuß trat auf etwas weiches und matschiges. Ich sah runter. Eine Zeitung. Ich nahm sie vom feuchten Asphalt. Ein Großteil der Tinte war schon verblichen, aber ich konnte das Datum lesen; der 13.Juli.1992.
Ich lies sie fallen, Todesangst überkam mich. Ich blieb in Bewegung.
“KANN MICH IRGENDWER HÖREN?!”, schrie ich. “BITTE ! ! ! Irgendjemand... Bitte...”
Meine Schreie wurde zu verzweifelten Schluchzen. Für einen Moment blieb ich stehen. Der Regen hatte mein Krankenhausoutfit durchnässt. Als der Wind blies, fror ich.
Dann sah ich ein Licht in der Ferne. Ein großes, gelbes “M” im Himmel. Ein McDonalds. Natürlich. Ich stolperte in diese Richtung.
Am McDonalds angekommen, sah ich nur das M leuchten, der Rest des Gebäudes war dunkel. Vorsichtig streckte ich meinen Kopf durch die zerbrochenen Fenster und sah mich um. Dunkelheit.
Dann drehte ich mich zum Spielplatz, draußen am McDonalds. 3 Meter hohe farbige Kletterwände für die Kinder. Auf einer der Bänke zu sitzen war ein bekanntes Gefühl. Die Ronald McDonald-Statue. Du weißt schon, die neben die man sich setzten kann und die aussieht, als würde sie dir einen Arm um die Schulter legen. Jedes Kind kennt es.
Bei dem Anblick erschauderte ich.
Die Türen waren aufgeschlossen. Zögernd ging ich rein, raus aus dem Regen. Stille. Dunkelheit.
Ich bemerkte das dieser McDonalds nicht aussah, wie die modernen. Sondern wie die aus den 80’gern, mit den weißen Plastikständen und den roten und gelben Fliesen. Der Wind pfiff durch die kaputten Fenster.
Aus dem hinteren Raum, ertönte ein leises wimmern, was mich dazu brachte nachsehen zu wollen.. ich weiß, ihr werdet euch denken 'Du Vollidiot' und ja.. das denke ich im nachhinein auch von mir.
Die braune Tür, öffnete sich mit einem quietschen.. das wimmern wurde lauter, je mehr ich die Tür öffnete, bis ich den Ursprung davon entdeckte. Eine der Clownpfleger! Das aufgemalte grinsen, wurde zu einem regelrechten Zähnefletschen als sie mich erkannte und langsam ihr Skalpell hob, welches durch die aufflackernden Blitze gefährlich aufleuchtete. Keuchend stolperte ich zurück, rutschte aus und fiel. Nur Augenblicke später brach die Frau durch die Tür, warf sich mit einem irren lachen auf mich und rammte mir das Skalpell in die Brust.
Vor Qualen schrie ich auf, versuchte sie von mir herunter zu stoßen, schrie und strampelte, bis ich einen glücklichen Treffer landen konnte und sie von mir herunter rutschte. So schnell es mir in dem Moment möglich war, rappelte ich mich auf.. wieder spürte ich einen brennenden Schmerz an meiner Wade. Sie hatte mich noch einmal mit dem feinen Messer erwischt. Ich kam ins straucheln, stolperte aber wieder aus dem Laden heraus und humpelte in den nahegelegenen Wald. Mir war kalt.. so kalt. Mein Bein schmerzte, genauso wie meine Brust. Glücklicherweise hatte sie wohl nichts wichtiges verletzt, aber ich war in dem Moment so sehr mit Adrenalin vollgepumpt, dass ich das wohl eh nicht mitbekommen hätte.
Hinter mir hörte ich das irre lachen der Pflegerin, begleitet von weiteren Stimmen. Sie folgten mir!
Ahnungslos wohin ich lief, rutschte ich noch einen Abhang herunter, bei dem ich mir das Gesicht, die Arme und die Beine auf schrammte. Dann aber erleichtert feststellte, dass ich auf Asphalt gestoßen war! Eine Straße! Gott sei dank, eine Straße!
Ich humpelte weiter, auf der verzweifelten suche nach Hilfe. Nicht nur das ich den Clowns entkommen war, nein.. der liebe Herr Gott (nicht das ich an ihn glauben würde) schien Gnade mit mir gehabt zu haben.. denn ich lief schnurstracks in die Arme eines Cops!
Noch nie in meinem Leben war ich so froh einen Uniformierten zu sehen, wie in diesem Augenblick...
http://creepypasta.wikia.com/wiki/Ronald_McDonald_House